Selbstverständnis
OMAS GEGEN RECHTS Lübeck Altstadt
Wir freuen uns über dein Interesse an unserer Gruppe und möchten dich gerne kennenlernen. Die folgenden Grundsätze wollen wir kaum bis gar nicht diskutieren, deshalb bitten wir dich, dieses Selbstverständnis durchzulesen, damit es passt.
1. OMAS GEGEN RECHTS
sind eine zivilgesellschaftliche, überparteiliche Frauen-Initiative.
Der Name „OMAS GEGEN RECHTS“ und die inzwischen weit bekannte, unverkennbare Form des Auftretens sind zu einem allgemein respektierten Kennzeichen geworden. Dies verbindet alle OMA-Gruppen, ist ein wichtiger Teil der positiven Außenwahrnehmung und steht daher nicht zur Diskussion.
Neben OMAS sind auch OPAS willkommen, gerne auch Enkel und sonstige Menschen. Alle sind willkommen und können sich am Kampf gegen Rechts beteiligen. OMAS GEGEN RECHTS bleibt jedoch eine feministische Gruppe.
Wir sind für
- eine demokratische, rechtsstaatlich organisierte, freie und solidarische Gesellschaft
- den Fortbestand der parlamentarischen Demokratie in einem gemeinsamen Europa
- Solidarität, Toleranz, Respekt und Achtung aller Menschen mit- und untereinander, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, ethnischer Zugehörigkeit usw.
- Darum auch für: Asyl- und Menschenrechte
- Gleichberechtigung aller in Deutschland lebenden Menschen
- Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit
- Insbesondere: Erhalt und Ausbau von Frauenrechten
- Klimaschutz
Wir sind gegen
- demokratiefeindliche Entwicklungen
- Extremismus und Gewalt in jeder Form
- Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Faschismus, Ausgrenzung behinderter und alter Menschen
- jegliche gegen friedliche Gruppen und Personen ausgeübte Menschenfeindlichkeit
- RECHTS
Alle sind willkommen, solange die individuellen politischen Einstellungen und die persönliche Verhaltensweise unseren vorgenannten Grundsätzen entsprechen (ausführlich siehe https://omasgegenrechts-nord.de/welcome/grundsaetze-kurzfassung/ )
2. Respektvoller Umgang
Es kann noch so energisch betont werden, dass alle gleichberechtigt sind und Hierarchien vermieden werden sollen, oft entwickelt sich dennoch eine ungünstige Dynamik und gerade in Gruppen mit unklaren Strukturen gibt es eine versteckte Hierarchie mit Meinungsführer*innen, die Kontrolle und Macht ausüben und von den unklaren Strukturen profitieren und diese für eigene Zwecke ausnutzen. Wer bereits in politischen Gruppen war, kann davon ein Lied singen.
Je unklarer eine Gruppenstruktur ist, je größer die Gruppe ist und je häufiger die Gruppenmitglieder wechseln, desto eher ist eine Gruppe gefährdet von manipulativen Verhalten Einzelner.
Unsere Gruppe versucht nicht, ein nicht einzuhaltendes Ideal einer gleichberechtigten und hierarchiefreien Gruppe zu postulieren, sondern aktiv dafür zu sorgen, dass alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt und respektvoll miteinander umgehen. Dazu gehört:
- Rotation der Moderation. Abwechselnd übernimmt ein Gruppenmitglied die Moderation eines Gruppentreffens, denn eine Moderator*in befindet sich in der einzig legitimierten machtvollen Funktion und darf unterbrechen (bei Ausschweifungen oder ins Wort fallen) Auch wenn einige vermeintlich geeigneter zur Moderation scheinen, rotiert dieses „Amt“ konsequent, die Qualifikation zur Moderator*in spielt keine Rolle.
- Die Teilnahme an Plenen, z. B. in Bündnissen, soll ebenfalls rotieren, eigenmächtiges Vorgehen soll durch ein imperatives Mandat verhindert werden (die Gruppenmeinung wird auf Plenen vertreten, nicht die persönliche Meinung).
- Konflikte werden möglichst sofort angesprochen, es wird nicht so getan, als ob es nicht auch persönliche Differenzen geben kann, es wird keine falsche Harmonie vorgetäuscht, wenn ein Konflikt im Raum steht. Streit kann und darf sein. Auseinandersetzungen können und dürfen sein. Konfliktklärungen sind erwünscht. Missverständnisse werden angesprochen.
- Bei Gruppenbeginn wird kurz abgefragt, ob Störungen besprochen werden müssen (wir sind jedoch keine gruppendynamische Selbsthilfegruppe, deshalb: kurz)
- Von Beginn an -also ab dem ersten Treffen- wird ein Fokus nicht nur auf die antifaschistische Kernarbeit gelegt, sondern auch auf den Rahmen, der effektives und fokussiertes Arbeiten ermöglicht: Vermeidung von persönlichen Differenzen durch schnelle Aussprachen und Vermeidung von Machtausübung durch Personen mit einem hohen Bedürfnis nach Kontrolle und Durchsetzung eigener Ziele auf Kosten Anderer.
3. Antisemitismus
Die Ablehnung von Antisemitismus fast aller Gruppen jeglicher Couleur wird konterkariert durch den Anstieg antisemitischer Handlungen bundes- und weltweit. Die Wenigsten würden von sich behaupten, dass sie Juden und Jüdinnen ablehnen, einzig weil sie jüdisch sind. Das Lippenbekenntnis gegen Antisemitismus verkommt oft zu einer hohlen Phrase und wird selbst von politischen Gruppen behauptet, die den faschistisch-mordenden Männerbund Hamas zu einer Befreiungsbewegung mit einem Kraftakt absurder Gehirnverdrehungen um deklariert.
Es scheint beim Antisemitismus, als kommt etwas zu Tage, was nie weg war.
„Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ (Zvi Rix), ist aktueller denn je (wobei etwa 10 % aller jungen Deutschen laut Umfragen mit den Begriffen Holocaust oder Shoah gar nichts anzufangen wüssten).
Viele Jüd*innen flüchten jedoch nicht nur in Sarkasmus, sondern ganz real nach Israel. Sie fühlen sich in einem jüdischen Staat im Kriegszustand sicherer als in Gesellschaften mit einem unüberhörbaren antisemitischen Grundrauschen, auch in Deutschland.
Ohne Zweifel ist das Vorgehen der israelischen Streitkräfte sowohl diskussions- als auch kritikwürdig, doch haben hier lebende Jüd*innen erst einmal nichts mit dem Nahostkonflikt zu tun. Es ist plump und dumm, hier lebende Jüd*innen unter Rechtfertigungsdruck zu setzen für den Nahostkonflikt einige tausend Kilometer entfernt, so wie Antisemitismus generell verachtenswert und geschichtsvergessen ist.
OMAS GEGEN RECHTS Lübeck-Altstadt sind hier eindeutig und positionieren sich nicht nur gegen Antisemitismus, sondern werden ihn aktiv bekämpfen, den wieder weit verbreiteten Jüd*innenhass in allen seinen offenen und versteckten Formen thematisieren und dabei die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen suchen, für die der Kampf gegen Antisemitismus nicht nur aus Symbolpolitik und leeren Bekenntnissen besteht.
4. Gegen Rechts
Der Überbietungswettbewerb in Menschenfeindlichkeit wird dankbar aufgenommen von Parteien der Mitte, die längst nicht mehr zur Mitte gehören. Während der großen Antifa-Demos Anfang 2024 haben teils Personen mit CDU- oder FDP-Fahnen mitdemonstriert, obwohl viele AFD-Positionen in Teilen oder gänzlich von diesen Parteien übernommen worden sind. Sie haben praktisch gegen sich selbst demonstriert.
Doch nicht nur die empathielose und menschenfeindliche Migrationspolitik nimmt derzeit dramatische Züge an, auch im sozialen Bereich finden Umverteilungen von unten nach oben statt und selbst kleinste Schritte zur Verbesserung prekärer Situationen wie die Erhöhung des Mindestlohns sind sofort vom erfolgreichen Geschrei der Arbeitgeber*innenverbände und zahlreichen Ausnahmeregelungen (z. B. für ausländische Saisonarbeitende in der Landwirtschaft) begleitet.
Die OMAS GEGEN RECHTS Lübeck-Altstadt sind tatsächlich gegen jede Form von Rechts, somit gegen den Rechtsruck und das Aufgreifen völkischer, menschenfeindlicher, antisozialer und auch militaristischer Themen bis in größere Teile von CDU und FDP und kleinere Teile der SPD und der Grünen.
Wir verstehen uns somit als Teil der antifaschistischen, linken, sozial-säkularen Bewegungen gegen den Rechtsruck.
