Arbeitsgruppe Anitisemitismus
OMAS GEGEN RECHTS Lübeck Altstadt
Wo Israel beginnt, hört das Denken auf
von Bernhard Torsch
Die Berichterstattung über die Lage im Gazastreifen räumt mit zweifelhaften Informationen jeden Zweifel über den wahren Übeltäter aus.
Das Palestinian Center for Policy and Survey Research (PSR) führt ständig Umfragen in der Westbank und in Gaza durch. Im Dezember 2023 fragte das Institut, wie man zum Pogrom vom 7. Oktober stehe. Fette 82 Prozent der Westjordanland-Araber fanden das schlimmste Massaker an Juden in Israel klasse. Im Gazastreifen waren immerhin 57 Prozent der Ansicht, der Massenmord, die Massenvergewaltigungen und die Massenentführungen seien eine gute Sache gewesen. Nachdem die Begeisterung für den Judenmord auch in Gaza Anfang 2025 auf 74 Prozent hochgeschnellt war, hat sie langsam, aber deutlich nachgelassen. Im Mai 2025 meinten nur noch 37 Prozent der Gaza-Bewohner, es sei gut und klug gewesen, massenweise jüdische Zivilisten abzuschlachten. In Judäa und Samaria lag der Wert »nur« noch bei 59 Prozent. Diese Umfrageergebnisse wirken halbwegs glaubwürdig, denn sie zeigen das langsame Einsetzen des Realitätssinnes, der bei der Hamas nicht gerade beliebt ist und den sie schon bei Kleinkindern zu zerstören trachtet.
In Israel sah das Stimmungsbild Ende Juli 2025 fragmentarisch so aus: In einer Umfrage der »Times of Israel« waren 53,2 Prozent der Befragten gegen die von Netanjahu kurz danach befohlene Okkupation des Gazastreifens, die einen verlustreichen Häuserkampf in Gaza-Stadt wahrscheinlich macht, und 38,9 Prozent waren dafür. Das kontrastierte mit einer Umfrage der rechten israelischen Zeitung »Hayom Daily«, laut der 52 Prozent der Befragten für die jüdische Wiederbesiedelung des 2005 von Ariel Scharon geräumten Gazastreifens sind. Zur Erinnerung: 2005 hatte der damalige Ministerpräsident Scharon, ein harter Rechter, die Aufgabe jüdischer Siedlungen in Gaza befohlen und mit militärischer Gewalt durchgesetzt. Rund 8.000 Juden wurden zwangsweise nach Israel umgesiedelt. Sie hinterließen eine intakte und fortschrittliche Infrastruktur, die von den Arabern sogleich mit Hämmern, Gewehren und Sprengstoff vernichtet wurde. Einer Umfrage des Israel Democracy Institute zufolge meinten Anfang August 79 Prozent der jüdischen Israelis, ihr Staat unternehme genug gegen das humanitäre Elend in Gaza. Wobei hier die politische Spaltung des Landes deutlich wird: 56 Prozent der linken Israelis meinen, Israel solle mehr tun, um Hunger und andere Begleiterscheinungen des Krieges in Gaza zu lindern. Unter Befragten der politischen Mitte ging dieser Wert auf 21 Prozent zurück und bei Rechten auf fünf Prozent.
Während der arabischen Bevölkerung vor Ort also langsam dämmert, was Hamas, Islamischer Jihad und deren Mitläufer damit bezweckten, als sie ausgerechnet in Israel auf Judenjagd gingen, als wären sie die Wehrmacht und die SS 1941 in der Ukraine, nämlich die eiskalt einkalkulierte Opferung Tausender arabischer Menschenleben und die Verwüstung Gazas durch die unvermeidliche militärische Reaktion Israels, um einen internationalen Propagandasieg zu erreichen, ist das den größten Teilen westlicher Medien und westlicher Linker und Liberaler nicht begreiflich zu machen. Dass eine Mehrheit der jüdischen Israelis Meldungen über Hunger in Gaza für falsch oder nicht wichtig hält, zeigt nicht nur den verrohenden Einfluss rechtsextremer Parteien, die Netanjahu in die Regierung geholt hat, sondern ist vor allem eine Folge der Traumatisierung durch den 7. Oktober, der die Hamas eine stete Retraumatisierung durch portionsweise veröffentlichte Videos und Fotos von zu Skeletten abgemagerten israelischen Geiseln oder durch die Übergabe der Leichen ermordeter Juden folgen lässt. Wie wenig Empathie für die Opfer einer Judenvernichtung die Bewohner der NS-Nachfolgestaaten Deutschland und Österreich aufbringen konnten, war zwar erwartbar, ist aber nichts, was einem nicht trotzdem den Magen um-drehen würde.
Wo wir von Mägen reden: Die mächtigste Propagandawaffe der Hamas ist die Erzählung von hungernden arabischen Zivilisten, ob real oder übertrieben oder frei erfunden. Nur zwei Tage nach dem Pogrom in Südisrael jammerte die Wiener Tageszeitung »Der Standard« bereits: »In Gaza droht bald der Hunger.« Im Dezember 2023 meldete die »Süddeutsche Zeitung«: »In Gaza grassiert der Hunger.« Die NGO Human Rights Watch fabulierte Anfang 2024 von einer »von Israel auferlegten Hungersnot in Gaza«. Diese Falschinformationen mussten später zwar kleinlaut zurückgenommen werden, doch waren sie von vielen Medien längst begeistert aufgenommen worden. So begeistert, dass man sich fast wunderte, warum im August 2025 immer noch die meisten Gaza-Bewohner am Leben waren. Sie hätten, ging es nach den Schlagzeilen deutscher Medien, doch längst alle den Hungertod sterben müssen.
Den Unterschied zwischen »Hunger haben« und einer Hungersnot nicht begreifen zu können, war und ist in deutschen und internationalen Medien ein Volkssport geworden. Am 29. Juli schrieb der »Stern«: »Mehr Druck auf Israel! Was die Deutschen von Friedrich Merz erwarten«. Was in weniger schlimmen Zeiten fast amüsant wäre: Der »Stern« illustrierte seinen Aufruf zum Kampf gegen Israel mit einem Foto, das er mit »Hungrige Kinder an einer Essensausgabe in Gaza« untertitelte, das aber einen arabischen kleinen Moppel zeigte, der eher das gegenteilige Problem von Hunger zu haben schien. Was nicht heißt, der Junge in dem auffallend perfekten Foto hätte keinen Hunger gehabt, nur war er ganz offensichtlich kein Opfer einer Hungersnot.
Die »Süddeutsche Zeitung« machte Anfang August etwas, das man ausgerechnet von dieser, drücken wir es höflich aus, dem Antizionismus nicht gerade abgeneigten Publikation nicht erwartet hätte: Sie stellte an- hand des Fotografen Anas Zayed Fteiha bloß, wie viele jener Fotos entstehen, die westliche Linke zusammen mit Muslimen und gütigen Christen vor Empörung ganz dumm machen. Der Fotojournalist, dessen Unabhängigkeit man schon wegen mehrerer seiner Instagram- Postings bezweifeln musste, in denen er sich mit wenig interpretationsoffenen Slogans wie »Fuck Israel« inszenierte, hatte einfach Männer, Frauen und Kinder in Gaza vor einer öffentlichen Essensausgabe mit leeren Töpfen aufmarschieren lassen, in perfekte Pose und bestes Licht gerückt und die so entstandenen, sehr ästhetischen Fotos als Beweis für eine Hungersnot in Gaza an Medien in aller Welt verkauft.
Der Name für diese Art der Propaganda ist »Pallywood«. Die Öffentlichkeitsarbeiter der Hamas haben sich zu Meistern der Desinformation und der emotionalen Manipulation mittels gestellter Bilder gemausert. Damit stehen sie freilich nicht allein, denn wer sich im Krieg wähnt oder tatsächlich in einem steckt, der weiß genau, dass er Verbündete braucht, dass Meinungen stärker sind als die Realität und dass die Chance des militärisch Schwächeren in der Stärke seiner Propaganda liegt. Europäern, US-Amerikanern und anderen muss man aber die Bereitwilligkeit vorwerfen, das eigene Gehirn auszuschalten, sobald sich eine Gelegenheit ergibt, Israel zu hassen. Der »Spiegel« nannte Pallywood Ende Juli eine »Verschwörungstheorie«. In einem bemerkenswert giftig formulierten Artikel unterstellte der Leiter des Auslandsressorts, Mathieu von Rohr, jenen Journalisten, die nicht jedes Wort der Hamas-PR glauben, »menschenverachtende Häme«. Die bösen Juden und ihre Freunde würden behaupten, jedes Bild aus Gaza sei gefälscht oder manipuliert. Dass das mit Ausnahme rechtsextremer Spinner niemand tut? Egal. Glaubt, was die Hamas euch zeigt, oder ihr seid menschenverachtend! Wenige Tage danach hyperventilierte man beim »Spiegel« wegen des Todes des »Journalisten« Anas Al- Sharif, der bei einem israelischen Angriff umkam. Der Mann, der für »Al Jazeera« wie auch für westliche Agenturen arbeitete, war immer wieder mit dem innersten Führungskreis der Hamas fotografiert worden und hatte am 7. Oktober, noch während seine Kumpel mordend und vergewaltigend durch Südisrael zogen, diese angefeuert, möglichst viele Juden umzubringen. Einige Fotos legen sogar eine direkte Mittäterschaft Al-Sharifs beim Pogrom nahe.
Derweil meldete sich einer zu Wort, der als Vorsitzender des »Urban Warfare Studies«-Instituts an der Militärakademie West Point, New York, vieles weiß, was andere nur fühlen. John Spencer sprach in einem Interview mit dem Nachrichtenportal »NPR« Klartext. Dagegen, dass Israel in Gaza einen »Genozid« verübe, spreche, dass Israel mehr für die Zivilbevölkerung in gegnerischem Territorium unternehme, als jemals ein Krieg führender Staat es tat, immer wieder Hilfslieferungen durchlasse und Araber in Feldlazaretten behandle. Zwar gebe es in Gaza tatsächlich eine Nahrungsmittelknappheit, wenn auch keine Hungersnot, doch liege diese nicht an Israel allein, sondern auch an den Vereinten Nationen, die mehrmals Nahrungsmittellieferungen nicht verteilt haben – um Israel kurz danach der Aushungerung Gazas zu beschuldigen.
Der Verzicht auf kritisches Denken, auf eine mündige Verarbeitung von Information und die Enttarnung von Desinformation, ist seit jeher ein Merkmal des Antisemitismus. Wer Juden hasst, ob bewusst oder unbewusst, wird jede noch so abenteuerliche Räuberpistole über Israel glauben. Alle, die die vergangenen achtzig Jahre nicht im Koma verbracht haben, wissen, wie eine Hungersnot aussieht. Jeder, der nicht verblödet ist, weiß außerdem, dass die Hamas jedes Bild und jedes Video, das eine Hungersnot wiedergäbe, sofort auf allen Kanälen verbreiten würde. Und ja, auch in Gaza hat fast jeder Mensch ein Smartphone, das Fotos und Videos aufnehmen und in alle Welt schicken kann. Aber was kriegen wir zu sehen? Fotos und Videos von Menschen, die Hunger haben mögen, aber nicht halb verhungert sind. Das einzige Foto aus Gaza, das an eine Hungersnot erinnerte, da es ein fast zum Skelett abgemagertes Kind zeigte, hielt einer Überprüfung nicht stand. Es zeigte ein Kind mit einer seltenen Muskelerkrankung und kein Kind, das gerade verhungert. Ein tragischer Fall, von denen es in Gaza vergleichbare gibt und der, herrschte keine Lebensmittelknappheit, anders verlaufen würde, aber ein Beweis für eine Hungersnot, der er sein sollte, ist er nicht. Auch diese Falschinformation wurde teilweise kleinlaut zurückgezogen, beispielsweise von der »New York Times«, andere bemühten sich darum wider besseres Wissen erst gar nicht.
In bezug auf Gaza von einer Hungersnot zu schreiben oder zu reden, verhöhnt die Opfer realer Hungersnöte. Allerdings gibt es in Gaza tatsächlich mindestens zwei Menschen, die knapp vorm Verhungern stehen, nämlich Evyatar David und Rom Braslavski. Die beiden jungen Männer wurden am 7. Oktober entführt, und Ende Juli 2025 veröffentlichten ihre Peiniger Videos von ihnen, in denen sie so aussahen wie die Bevölkerung von Gaza eben nicht. Nur noch Haut und Knochen, vor Schmerzen weinend, an die Bilder von Insassen nazideutscher KZ bei deren Befreiung erinnernd. Braslavski ist übrigens auch deutscher Staatsbürger, was aber in Deutschland kaum jemanden zu interessieren scheint.
Davids und Braslavskis Körper essen sich mangels Nahrungszufuhr sozusagen selber auf, was unfassbar schmerzhaft ist und die Opfer extrem schwächt, ja an den Rand des Todes und oft genug darüber hinaus bringt. Die Massen, die sich in Gaza um Lebensmittel streiten, teils kilometerweit zu Lebensmittelausgaben gehen und ergattertes Mehl und Öl gegen Konkurrenten verteidigen müssen, sind verzweifelte Menschen, die darum kämpfen, sich und ihre Angehörigen mit den nötigsten Lebensmitteln zu versorgen. Aber von Zuständen wie im Jemen, in Teilen des Sudan oder gar wie 1984/85 in Äthiopien sind sie noch weit entfernt.
Während der Krieg in Gaza tobt und sich übrigens gegen den Willen großer Teile der israelischen Bevölkerung, ausweitet, kämpfen die israelische Regierung und »israelkritische« Organisationen um jedes Gramm Hilfslieferung, das nach Gaza gelangt. Da werden Lastwagen gezählt, die Kapazitäten von Containern berechnet, Kalorien aufgelistet und vieles mehr. Im Zweifelsfall ist hier der israelischen Seite eher zu glauben. Zwar arbeiten Netanjahus Likud und seine rechtsextremen Koalitionspartner an einem autoritären Umbau der Presse, aber Informationen aus und in Israel sind leichter zu überprüfen, da Journalisten und NGOs immer noch weitgehend freien Zugang dazu haben und sie weitergeben dürfen. In Gaza hat es jeder Mensch, der ähnliches machen will, mit der klerikalfaschistischen Mafia namens Ha- mas zu tun.
Das alles hinderte beispielsweise das »ND« nicht daran, in einer Überschrift die »Apocalypse Now in Nahost« auszurufen und einen gewissen Cyrus Salimi-Asl gegen israelische »Kriegsverbrecher« toben und dem deutschen Kanzler ausrichten zu lassen, sein Waffenboykott gegen Israel gehe längst nicht weit genug und die »Weltöffentlichkeit« beschuldige Deutschland der Komplizenschaft mit Kriegsverbrechern. Der linksliberale Publizist Robert Misik gab auf Facebook bekannt: »Das Ekelerregendste fast sind ja die schamlosen und hasserfüllten Kriegs- verbrechen-Fans, die das vorsätzliche Verhungernlassen der belagerten Zivilbevölkerung noch rechtfertigen. Da haben sich viele entlarvt leider.« Und er kündigte gleich an, solche bösen Menschen entfreunden zu wollen. Andere Journalisten und Journalistinnen verhalten sich gerade ähnlich und denunzieren jeden, der die Geschichte von der großen Gaza-Hungersnot nicht brav nacherzählt, als Menschenfeind und übles Schwein. Und während deutsche Medien und der Bundeskanzler tun, was man von ihnen erwartete, sollte Israel tatsächlich mal echte Verbündete brauchen, nämlich alle Sonntagsreden der vergangenen Jahrzehnte als solche kenntlich zu machen und die angebliche »Staatsräson« Deutschlands zu verraten, passieren noch ganz andere bemerkenswerte Sachen in den Weiten der asozialen Medien. Huda Kattan, eine in Dubai lebende Irakerin, ist eine der Top-Influencerinnen auf Instagram, Youtube und Tiktok. Allein auf Instagram folgen ihr 54 Millionen Menschen, die meisten davon sind junge Frauen und Teenager. Sie hat eine eigene Kosmetikproduktlinie und damit Hunderte Millionen Dollar verdient. Anfang Juli stellte sie ein Video auf Tiktok, in dem sie sagte, Israel habe den Ersten und den Zweiten Weltkrieg zu verantworten, stecke hinter 9/11, habe das Pogrom vom 7. Oktober inszeniert, und außerdem seien alle Israelis pädophil. Die typischen Fans einer Beauty-Influencerin haben vermutlich keine Ahnung, dass es Israel weder zu Beginn des Ersten noch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gab und der Rest des schwachsinnigen Videos einfach nur ein Update der »Protokolle der Weisen von Zion« war, aber je absurder und dümmer ein Tiktok-Video, desto beliebter ist es. Auf der Plattform begann schon direkt nach dem 7. Oktober ein entsprechender Trend. Zutiefst gerührte Influencer aus dem linken Spektrum lasen Schriften von Osama Bin Laden vor und lobten die Weisheit und Humanität des Massenmörders.
Warum aber sind so viele deutsche, aber auch internationale Medien ganz versessen darauf, Israel zum monströs bösen Staat umzuschreiben? Warum rennen von Berlin bis Sidney Hunderttausende vor allem junger Menschen auf die Straße, hüllen sich in Palästina-Flaggen und brüllen Hamas-Parolen? Es dürfte vor allem projektive Schuldabwehr sein. Ganz sicher ist es keine echte Besorgnis über Menschen in Not oder Hungernde, denn diese Massenaufmärsche finden in Ländern statt, in denen die ärmsten Teile der Bevölkerung hungern und auf die Spenden der Begüterten angewiesen sind, und wo die angeblich progressiven »linken« Menschen ganz genau wissen, dass ihre eigenen Staaten Menschen millionenfach durch sozialen Mord um die Ecke bringen. Im nicht allzu hell erleuchteten Hinterkopf haben all diese Leute das Wissen um Auschwitz, um die Hungerkriegsführung der Wehrmacht, die eines der schlimmsten Kriegsverbrechen verübte, als sie Leningrad belagerte und die Lebensmittelversorung der Stadt kappte, was rund 1,1 Millionen Menschen den Hungertod brachte. Und Menschen in den USA, in Australien und Kanada wissen, dass ihre Vorfahren jüdische Flüchtlinge nicht aufnahmen und zurück nach Deutschland schickten, wo sie ermordet wurden. Auch wissen sie um die Millionen Toten durch Flächenbombardements in Korea und in Vietnam sowie um die dort real ausgelösten Hungersnöte. Das Monströse der eigenen Zivilisation löst das Bedürfnis nach einem Sündenbock aus, und seit es unschicklich geworden ist, ihn Jude zu nennen, heißt er Israel.
Wie sehr die globale Linke auf den Hundgekommen ist, sieht man auch daran, dass die internationale Falken-Bewegung zwei israelische Mitglieder, Hashomer Hatzair und Hanoar Haoved Vehalomed, Anfang August auf Betreiben der arabischen Independence Youth Union ausgeschlossen hat. Die beiden israelischen jungsozialistischen Organisationen hatten sich stets für eine Aussöhnung zwischen Juden und Arabern stark gemacht, waren aktive sozialistische Kibbuzim und ganz sicher keine Fans der Regierung Netanjahu. Aber das sollte uns nicht wundern in einer Zeit, in der sich die Linke, wie derzeit in Großbritannien, wo der Antisemit Jeremy Corbyn zusammen mit der Antisemitin Zarah Sultana eine neue »linke« Partei gründet, deren einzige praktische Funktion es sein wird, den Faschisten von Reform UK die Macht zu ermöglichen, von allem verabschiedet, was sie einst ausmachte.
erschienen in Konkret 9/25
veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung vom Verlag
